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Erfahrungsberichte von Vorgängern
(Teil-Auszüge)
Markus Hanssler aus Wilhelmsdorf
11.04 2006 -19.04. 2007
Praktikumsbetrieb Gemüse- und Reisanbau, Kondo Noen, Kagawa, Japan
Ein Jahr arbeiten in Japan- noch vor einem Jahr schien diese Zeit eine lange zu werden. Heute im Rückblick ist das Jahr schnell, fast zu schnell vergangen. Viel ist passiert, viele Begegnungen fanden statt, viel wurde erlebt und erfahren und so manches wird für immer im Gedächtnis haften bleiben.
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Für jemanden, der in den vorangegangenen acht Jahren wenig körperliche Arbeit verrichtet hatte, war der Sprung auf einen japanischen Gemüsebetrieb kein leichter. So war es wenig verwunderlich, dass die ersten Wochen und Monate sehr anstrengend wurden, zumal es wesentlich wärmer als in Deutschland war. Doch man gewöhnt sich bekanntlich an alles und so fiel das Arbeiten mit der Zeit wesentlich leichter.
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Der Betrieb ist Teil der "ecoyasai"(übersetzt: ökologische Gemüse) Gruppe von JA(Japan Agriculture ) Zentsuuji und bewirtschaftet nach eigenen Angaben rund 48ha. Diese Gruppe von Landwirten wirtschaftet nach eigenen Richtlinien, die qualitativ hochwertige Gemüse mit möglichst geringem Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel und nur mit Bedarfsdüngung und keiner Luxusdüngung produzieren wollen.
Das Verhältnis zu meinen Mitarbeitern war ein durchgehend gutes. Somit war die Arbeit zwar anstrengend, wurde aber nicht durch persönliche Querelen zusätzlich erschwert. Ebenso war das Verhältnis zu meiner Gastfamilie ein gutes.
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Das fachliche Wissen wurde (nichtsdestotrotz) um ein vielfaches erweitert. Landwirtschaftliche Produktion in Japan funktioniert schlichtweg anders als in Deutschland. Bei der sehr viel geringeren Durchschnittsgröße der Flächen angefangen, über die große Bedeutung der Handarbeit, obwohl Japan als eines der fortschrittlichsten Länder dieser Erde gilt, weiter über die gänzlich anderen Wetterbedingungen (Taifune, Regenzeit, Trockenheit im Sommer...) bis hin zu den vergleichsweise sehr langen Arbeitszeiten mit wesentlich weniger Urlaubstagen, als in Deutschland üblich.
Das fachliche Wissen wurde auch durch Besuche von Betrieben, die teilweise Teil meines Gastbetriebes (Erdbeeren, Tomaten) waren und teilweise bei Reisen mit dem Chef besucht wurden, erweitert. So habe ich in diesem Rahmen u.a. eine Pilzfarm, Metzgerei, Milchviehbetrieb und Fischeierverarbeitungsfirma gesehen.
(Daneben habe ich im Laufe des Jahres sehr guten Kontakt zum Chef der örtlichen Agrargenossenschaft bekommen und somit ebenfalls einen kleinen Einblick in das dortige Genossenschaftswesen erhalten. Am Rande sei erwähnt, dass JA- Japan Agriculture, die in Japan überall vorhandene Agrargenossenschaft, ursprünglich in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Vorbild der Raiffeisengenossenschaft in Japan gegründet) wurde und nach dem 2. Weltkrieg wiederbelebt wurde. Auch heute kann JA mit Raiffeisen in Deutschland verglichen werden.
Wenn man auf sich gestellt ist, muss man unter die Leute gehen, will man ein Land kennen lernen. Vor allem über Kyudo (japanisches Bogenschiessen) konnte ich sehr viele interessante Menschen kennen lernen. Dann war ein immer wieder frischer Quell der Erheiterung die Karaokeveranstaltungen mit meiner Gastoma. (...)
Kulturell ist Japan in jedem Fall ein interessantes Land. Viele Bräuche und Traditionen habe ich gesehen, längst nicht alle verstanden und doch jeden mit Bewunderung verfolgt. Mir scheint, die Japaner sind in ihren Traditionen in vielen Bereichen noch fester verankert, als es hier in Deutschland üblich ist und diese Traditionen sind oftmals sehr lebendig. Das Land selbst ist, von den Städten abgesehen, sehr schön und abwechselungsreich. Die großen Städte gefallen mir persönlich nicht, aber das ist wohl Geschmacksache. Die Menschen an sich sind sehr freundlich, zuvorkommend und zumindest auf dem Land interessiert. Häufigster Anknüpfungspunkt zu einem Gespräch war die Bemerkung von japanischer Seite, wie groß man doch sei und wo man denn herkomme.
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Was bleibt nach einem Jahr in Japan? Ein Jahr ist schnell vorbei, zumal wenn man viel zu tun und wenig Freizeit hat. Im Rückblick ist ein Jahr zu kurz, denn erst im zweiten Jahr kann man all die interessanten Dinge mit Freunden erleben, die man im ersten Jahr verpasst oder von denen man nur im Nachhinein gehört hat. Zudem fängt es erst gegen Ende des ersten Jahres an, dass man sich mit den Menschen verbal einigermaßen vernünftig verständigen kann. (...)
Wurden meine Erwartungen erfüllt? Ja und Nein. Ja in dem Fall, dass ich ein Land kennen dürfte, das so anders als Deutschland ist und gerade wegen dieser Andersartigkeit faszinierend. Ich habe in diesem Jahr sehr viel erlebt, wunderbare Menschen kennen gelernt, sehr schöne Ecken eines sehr schönen Landes gesehen und trotz der hohen Arbeitsbelastung einige Reisen unternehmen können.
Nein in der Hinsicht, dass der Kontakt zu meiner Gastfamilie aus meiner Sicht zu wenig war und ich so einen mir wichtigen Teil der japanischen Kultur nicht oder kaum erleben konnte. (...)
Letztes Fazit ist und bleibt aber, dass dieses Jahr eine wundervolle Erfahrung in vielerlei Hinsicht war und ich keinen Tag, auch die schlechten, missen möchte. Ich habe viel erlebt, viel über das Land und die Menschen und über mich gelernt und dafür bin ich schlicht dankbar.
Mein Dank geht an alle, die mir diese Erfahrungen ermöglicht haben. Dazu zählen in erster Linie mein Gastbetrieb Kondo Noen in Zentsuuji, der Deutscher Bauernverband mit der Schorlemer Stiftung sowie dem BMVEL und des weiteren natürlich dem Japan Agricultural Exchange Council, Tokyo. Herzliche Grüße gehen selbstverständlich an meine Familie und die vielen Freunde, ohne die ein solches Jahr ebenfalls nicht machbar wäre.
Link zur seinen Hompage
Stefan Schleich aus Aachen
11.04 2006 - 17.03. 2007
Betrieb Imada Sakuteien, Kagawa, Japan (Garten- und Landschaftsbau)
Er ist von der Grundstruktur her ein klassischer Familienbetrieb. Die Betriebsleitung liegt in den Händen von Herr Imada und seinem Sohn Yasumasa. Dieser wird in zwei bis drei Jahren den Betrieb seines Vaters übernehmen.(…)
Des weiteren waren zu Beginn meines Praktikums im April vergangenen Jahres fünf weitere Angestellte, darunter ein weiterer Praktikant im Betrieb beschäftigt. Seit Oktober erhielten wir zusätzliche Unterstützung durch einen weiteren Praktikanten. Dieses Grundprinzip wiederholt sich dort jährlich. Japanische Praktikanten, mit meist keinen praktischen Erfahrungen im Gartenbau, haben vor Beginn eines Auslandsaufenthaltes die Möglichkeit auf ein vorbereitendes Praktikum.
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Arbeitsmethoden: Durch die anzahl der Mitarbeiter arbeiten grundsätzlich zwei bis drei Kolonnen auf verschiedenen Baustellen. Natürlich gibt es bei größeren Baustellen auch Ausnahmen, wo dann wirklich alle zusammen arbeiten. Die eigentliche Arbeitszeiten von 7.30-17.00 gab es aber nur auf dem Papier. Arbeitsende war regelmäßig unregelmäßig, meist bis es dunkel wurde. (Anm. d. Org. In Japan wird auch im Sommer nach 18 Uhr dunkel) Die ersten Wochen arbeitete ich öfters mit Yasumasa zusammen, da wir uns zusätzlich auf Englisch unterhalten konnten. Das Motto von Herrn Imada ist Learning by doing und so hatte jeder Mitarbeiter bei Interesse und Einsatz die Möglichkeiten seine gärtnerischen Fähigkeiten zu verbessern. Die Spannweite der Arbeiten im Gartenbau ist in Japan genau wie in Deutschland enorm groß und variiert von Betrieb zu Betrieb. Neben kompletten Neuanlagen (traditionell oder modern) mit Steinarbeiten und br>
epflanzung, dem Bau von Baumzäunen, Treppenbau oder dem Pflastern von Einfahrten gab es Arbeiten wie das Ballieren von Bäumen, dem Bau von Holzterassen und Carpots sowie das Gießen von Betonmauern. Von Oktober bis Dezember stand fast ausnahmslos Gehölzschnitt und Pflege in Privatgärten auf dem täglichen Programm.
Fachliche Erkenntnisse: Während des Praktikums hatte ich die Möglichkeit vor allem den Bau von verschiedenen Bambuszäunen und die Technik des Gehölzschnittes zu erlernen und einen ersten Eindruck von der Schwierigkeit im Steinesetzen zu bekommen.
Von der Vielfalt und dem Variationsreichtum an Bambuszäunen in Japan war ich überrascht. Es gibt in Japan zwar kein klassisches Ausbildungssystem wie in Deutschland, dennoch kann man drei Prüfungen ablegen, welche die gärtnerischen Fähigkeiten bestätigen. In der zweiten Prüfung hat man die Aufgabe einen Bambuszaun namens Yotsumegaki zu bauen. Zusammen mit zwei Kollegen, die im Sommer vergangenen Jahres an dieser Prüfung teilgenommen haben, konnte ich den Bau dieses Zaunes üben.
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Das Arbeiten mit riesigen, steinernen Wasserbecken und Findlingen hat mich sehr beeindruckt und mir eine neue Sicht in der Arbeit mit Steinen im Garten gebracht. So verarbeiteten wir z. B. Kutsunugiishi (Stein, der direkt am Haus verlegt wird und über welchen man den Garten betritt) mit einem Gewicht von drei Tonnen. Natürliche Wasserbecken waren in Innenhofgärten oder schwer zugängliche Hausrückseiten z. B. Vor dem Badezimmer der Kunden ein wichtiges Element. Bis zum weitmöglichsten Punkt wurden diese mit einem Kranwagen transportiert. Von dort jedoch wurden die schweren Becken mit Hilfe von viel Körperkraft und am gewünschten Ort angelangt mit Hilfe eines Dreibeins mit Kettenzug in die korrekte Höhe gesetzt. Das Ergebnis dieser Gärten lies die anstrengenden Arbeiten jedoch schnell vergessen.
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Integration in das Familienleben: Ich wurde vom ersten Tag herzlichst in die Familie Imada aufgenommen. Neben meinen Gasteltern und ihrem Sohn lebte Herr Ito, ein weiterer Praktikant mit uns zusammen im Haus. Mein Zimmer war direkt im Haus und wir verbrachten dadurch auch nach der Arbeit viel Zeit miteinander. Nach dem gemeinsamen Abendessen saßen wir oft noch lange zusammen und unterhielten uns.
Trotz liebevoller Aufnahme war diese Umstellung vom Singlehaushalt in Deutschland zurück in die Familie eine große Umstellung und ich benötigte einige Zeit um mich wieder daran zu gewöhnen. Durch ihre Unterstützung hatte ich aber auch in den ersten Wochen, in denen viel Neues auf mich zukam keine ernsthafte Sorgen. Bei allen organisatorischen Angelegenheiten konnte ich mich immer auf Hilfe verlassen. So war es vor allen meine Gastmutter, die mir bei der Organisation meiner Sommer- und meiner Abschlussreise geholfen hat.
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Möchte man den Alltag einer japanischen Familie kennen lernen und miterleben ist diese Familie genau die richtige. Natürlich kommt auch auf das Verhalten des Praktikanten an, aber wenn sich dieser Mühe gibt und vielseitiges Interesse zeigt wird er sehr gut aufgehoben sein. Über Unterkunft, Verpflegung und Hilfestellungen in allen Dingen bis hin zu feucht, fröhlichen Karaokeabenden stimmte einfach alles. Das ganze funktioniert aber nur, wenn bei allem die Arbeit für die Firma an erster Stelle steht. Diese Einstellung ist der Familie enorm wichtig und dessen sollte man sich stets bewusst sein.
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Zentrale Erfahrungen in Japan: Egal wo ich in Japan hingereist bin, immer wurde ich sehr herzlich aufgenommen und behandelt. War die erste Schüchternheit seitens der Japaner erst einmal gebrochen und erzählte man ihnen, auch noch auf Japanisch, dass man aus Deutschland komme, waren sie meist aus dem Häuschen. So zeigten sie sich immer sehr neugierig und aufgeschlossen. (...) Es gab viele interessante Ansichten und Bräuche. So ist es durchaus üblich sich den ersten Sonnenaufgang des Jahres von z.B. einem Berg mit schöner Aussicht anzusehen. Mir gefällt dieser Gedanke aber in Deutschland würden nur die wenige auf diese Idee kommen. Wie dieses Beispiel waren es viele Kleinigkeiten, die ich erfahren und miterleben konnte.
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Persönliches Fazit: Das Jahr war anstrengend aber unglaublich toll und interessant. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hatte, dieses Praktikum zu absolvieren. Mit meinem Btrieb und meiner Gastfamilie wurden meine Erwartungen auf jeden Fall erfüllt. Das ich so schnell und so tief in das Familienleben meiner Gastfamilie aufgenommen werde, habe ich vor meiner Abreise wirklich nicht gedacht. Auch das Verständigung trotz weniger Sprachkenntnisse immer irgendwie funktioniert, fand ich toll.
Klar gab es auch mal den ein oder anderen Durchhänger aber unter dem Strich überwogen die tollen Tage, die einem ja meist auch in Erinnerung bleiben.
Für mich war dieses Jahr vielleicht erst der Anfang. Durch ein Angebot meiner Firma, für ein weiteres Jahr, werde ich die Chance haben, mich noch intensiver mit dem japanischem Garten und Landschaftsbau zu beschäftigen. Die Zwischenzeit in Deutschland werde ich nutzen meine Japanisch Kenntnisse am LSI zu verbessern.
